Der „mentale“ Triathlon Wettkampf

Nach einigen Aus,- und Weiterbildungen im Mental Coaching war es jetzt für mich mal an der Zeit, einen Wettkampf nur mit mentalen Zielen anzugehen. Zudem wollte ich nach der enttäuschenden Saison 2015 wissen, ob mein Fettstoffwechsel wieder läuft.

Was eignet sich da also besser als ein Wettkampf im Januar. Ich wollte einen Wettkampf nur nach Gefühl bestreiten, mich rein auf mein Körpergefühl verlassen und auf meine Gedanken achten ohne mich von Puls,- oder Wattwerte ablenken zu lassen. Dazu natürlich auch den Spass und Freude haben, der für mich sehr wichtig ist.

Ich wollte den Wettkampf aus den Grundlagen absolvieren und verzichtet auf spezielle Wettkampfspezifische Tempoeinheiten und Tapering.
Die meisten Radkilometer hatte ich indoor auf der Rolle bei Zwift, dazu einige Grundlagen im Laufen.
http://personal-triathloncoach.com/blog/wattgesteuertes-training-mit-zwift

So reiste ich zu meinen 40 Geburtstag mit meiner Verlobten nach Dubai um ein paar Tage Wärme und Sonne zu tanken. Unser Fokus war in eine neue, für uns völlig fremde Kultur einzutauchen, gutes Essen, Shopping und Sightseeing zu geniessen.

Am Freitag fand dann, das erste Mal in Dubai, der Ironman 70.3 statt. Also ein Wettkampf über die klassische Halbdistanz. (1,9 / 90 / 21)

Als Ziele für den Tag hatte ich mir folgendes vorgenommen:

Hauptziel:

Spass haben und nach Gefühl den Wettkampf mit einem Lächeln ins Ziel zu bringen.

Mein Wettkampfplan im Detail:

Wettkampfvorbereitung:

früh genug aufstehen und etwa 3h vor dem Start frühstücken

90 Min vor dem Start letzte Vorbereitungen am Rennrad abschliessen

30 Min vor dem Start, Aufwärmübungen im Wasser und an Land

15 Min vor dem Start, letzter Toilettengang und noch ein Gel nehmen

7 Min vor dem Start, an den Start gehen und die Stimmung aufsaugen

Schwimmen:

Aus Gerangel und Schlägereien im Wasser raushalten

Zügig anschwimmen bis der Puls reagiert

Alle 6 -8 Züge den Kopf aus dem Wasser nehmen und die Orientierung behalten

Atmung kontrolliert und gleichmässig

Bis ins ganz flache Wasser schwimmen

Neopren sofort bis Hüfthöhe ausziehen und in Wechselzone rennen

 

Rad:

Ganz nach Gefühl fahren

Regelmässig trinken, mit Salz und Elektrolyten versorgen

Essen nach Gefühl

Aeroposition halten

Laufen:

Locker anlaufen auf der erste Runde, dann beschleunigen

Hüfte bewusst nach vorne schieben und hohe Schrittfrequenz halten

Sich nicht von schnelleren Läufern beeinflussen lassen

Regelmässig essen und trinken

Bei Bedarf kühlen

Mit einem Lächeln ins Ziel laufen

Soweit zu den Zielen als Vorbereitung. Dass es im Wettkampf immer anders kommt als geplant ist offensichtlich, die Art damit umzugehen liegt aber an der mentalen Stärke.

Wettkampfbericht:

 

Die Wettkampfvorbereitungen konnte ich nach Plan abschliessen, bis zum Zeitpunkt als ich zum Start kam und erfuhr dass die Wettkampfleitung das Schwimmen in die 1km entfernte Marina verlegte hatte und auf 600m gekürzt hatte. Dazu erstreckte sich die Transition Area dann über 1km den Strand entlang.

Mental: Zuerst war ich enttäuscht, da ich mich auf das Schwimmen gefreut hatte und ich immer gerne einen kompletten Wettkampf bestreite. In Anbetracht der Tatsache dass die Wellen aber wirklich sehr hoch und gefährlich waren, war es eine richtige Entscheidung und ich stellte mich auf die neuen Gegebenheiten ein.

Ich begab mich also zum Schwimmstart und konnte meine Wettkampfvorbereitungen wie geplant abschliessen.

Der Start war ein „Rolling Start“ welcher sehr stressfrei war. Ich konnte alle Ziele erreichen und mit 1:29min / 100m hatte ich einen soliden und guten Start.

Der 1km lange „Transition Run“ durch den Sand am Strand in die Wechselzone hatte etwas Skurriles und Aufregendes und spätestens hier war ich dann aber auf Betriebstemperatur.

Der Wechsel aufs Rad verlief ohne weitere Probleme und so ging es an meiner Verlobten vorbei - aus der Stadt – Richtung Wüste.

Die Organisatoren hatten die ganze Strecke mit Hütchen abgesteckt und ich fragte mich wie viele Hütchen das wohl wären auf 90km.

Mental: Ich bemerkte einen angenehmen Rückenwind auf den Weg in die Wüste und ich kam in einen Flow. Das Rad rollte gut, als es plötzlich einen leichten Knall gab als ich über einen Stein / Schraube oder ähnliches fuhr.
Bekomme ich einen Platten? Ich machte mir einige Minuten Gedanken.

Bei km 30 etwa kam mir der Weltmeister Jan Frodeno schon wieder entgegen.

Mental: Besonders schnell sieht er nicht aus. Könnte es sein das er mit Gegenwind zu kämpfen hat?

Bei km 45 wurde gewendet und die gleiche Strecke auf der anderen Strassenseite zurückgefahren.

Mental: 40 km/h Schnitt für die ersten 45km ? Bin ich zu schnell gefahren?

Jetzt blies der Wind mit voller Breitseite entgegen.

Mental: Ich hatte Angst die Hände vom Lenker zu nehmen, da es mich sonst wegwindet hätte. Aber ich muss ja meine Trinkflasche greifen und Verpflegung aufnehmen…..

Der Sandsturm blies so stark ins Gesicht dass der Sand zwischen den Zähnen knirschte.

Mental: Ich dachte schon an den Halbmarathon und freute mich auf das Laufen an der Strandpromenade. Der Rücken fing leicht an zu zwicken und ich dachte daran dass ich wieder vermehrt Krafttraining und Coretraining ins Programm aufnehmen sollte.

Am Ende der 90km stand eine 2:34h für mich zu Buche.

Mental: Auch damit war ich sehr zufrieden, dafür das es Januar ist.

Der Wechsel in die Laufschuhe verlief ohne weitere Probleme und ich kam schnell in meinen Rhythmus.

Mental: Die erste Runde verlief wie am Schnürchen und ich war überrascht das ich ein gutes Pace laufen konnte, ganz ohne zu leiden.

Ich konnte die Schrittfrequenz beibehalten und verfiel in keinen Schleppschritt.

Mental: Auf der 2 Runde bemerkte ich, dass sich einige Athleten bereits deutlich übernommen hatten und ihrem Anfangstempo Tribut zollen mussten. Das motivierte mich zusätzlich und zugleich wollte ich aber nicht den gleichen Fehler machen.

Das Essen und Trinken ging sehr gut und ich merkte keine Anzeichen von Krämpfen, Magenbeschwerden etc.

Mental: Ich freute mich, dass mein neues Ernährungskonzept aufging.


Auf der letzten Runde wollte ich noch ein bisschen beschleunigen

Mental: Ich merkte aber recht schnell dass mir die Tempohärte fehlte, was ich aber sehr schnell akzeptierte. So freute ich mich auf den Zieleinlauf. Ilona erinnerte mich noch mal durch einen kurzen Ruf zu lächeln, was mir sehr leicht fiel.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Erlebnis mir extrem geholfen hat und ich mich immer auf mein Körpergefühl verlassen kann. Pulswerte, - Wattmesser sind gut für eine effektive Trainingssteuerung, aber die Körper Sensorik darf nicht vergessen gehen.
Ich habe wieder viele neue Erkenntnisse dazu gewonnen und weiss wo ich weiter daran arbeiten muss.

Ich habe gemerkt wie man, besonders wenn der Wettkampf sich über ein paar Stunden erstreckt, schnell mal in negative Gedanken verfallen kann. Ich habe das akzeptiert, durch meine Aus ,- und Weiterbildungen konnte ich mich aber jedes Mal schnell wieder davon befreien.

Mit dem 14. Platz in meiner Altersgruppe bin ich sehr zufrieden und dankbar, ein tolles Erlebnis welches ich bestimmt wiederholen werde.

 

Sportliche Grüsse

Martin


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